Ahrweine aus Mayschoß

Von der Weinbau "Selbsthilfe-Gruppe" in die TOP 100 der deutschen Weinbaubetriebe ist die Erfolgsgeschichte der 1. offiziellen deutschen Winzergenossenschaft in Mayschoss an der Ahr. Durch das zukunftsweisende Buch des Sozialreformers Raiffeisen im Jahr 1866 ergab sich das 1. Preußische Genossenschaftsgesetz, das es den armen Winzern an der Ahr ermöglichte, für eine hoffnungsvolle Zukunft zu arbeiten. Wir wollen diese Ausgangssituation und die fast 140 Jahre systematische Arbeit mit einer hochkarätigen, sehr individuellen und feinen Weinprobe reflektieren.

Schon die Römer hatten den Wein nach Europa und auch in unsere Region gebracht. Großen Aufschwung erlebte der Weinbau dann bei uns zur Zeit der Karolinger mit dem Kaiser Karl dem Großen, und seinen Pfalzen, der zahlreiche Wälder, an den Ufern der Flüße roden ließ, um die Hänge mit Rebstöcken zu bepflanzen. Durch die Schaffung seiner Ordnung mit den kirchlichen und analogen, weltlichen Systemen gab es erstmalig klare Strukturen und Verantwortlichkeiten. Dies hatte zur Folge, daß die Klöster und Kirchen, aber auch die neu entstandenen Grafschaften, den Weinbau förderten und auch davon lebten. Teilweise sind bis heute die Spuren, wie z. B. die der Zisterzienser, noch sehr lebendig.

Der Fall der Pfalz Ingelheim und das Kloster Eberbach, das natürlich später durch die Zisterzienser errichtet wurde. Das dunkle Spät-Mittelalter und die Folgezeiten mit den furchtbaren Glaubenskriegen brachte diesen Kulturschub zum Stoppen. Die Pest, Reblausschäden und Probleme durch billige Importweine erhöhten die Probleme der Winzer. So führte es dazu, daß im Badischen und in Württemberg um 1820 erste Weinbauvereine als Organisationsformen zum Erhalt der Weinwirtschaft erprobt wurden. Alle Konzepte waren noch nicht tragfähig, bis zum Jahre 1866 der Sozialpolitiker Friedrich Wilhelm Raiffeisen mit seinen Erfahrungen aus dem benachbarten Westerwald, sein zukunftsweisendes Reformwerk zum genossenschaftlichen Gedanke publizierte, der von der 1867 noch recht aufgeschlossenen Preußischen Regierung zum ersten Genossenschaftsgesetz verarbeitet wurde.

Bereits 1868 fanden sich in Mayschoss die ersten 18 Winzer, zu denen in den nächsten Tagen 4 weitere Winzer als Absatzgenossenschaft verbanden. Das Motto der Zeit hieß: "Trauben haben wir genug; uns fehlt der Absatz".

Nach anfänglichen Orientierungen wurde dann am 20.12.1868 ein Verein auf genossenschaftlicher Basis mit ordentlicher Führungscrew etabliert. Ganz interessant war der Namen des Herrn Präsidenten: Nikolaus Näkel. Der Schriftführer war Johann Peter Cossmann. Ein Name, der sich als "Kaspar C" auch in der heutigen Zeit noch auf Etiketten aus Mayschoss findet. Diese Entwicklung wurde von dem damaligen Landstagsabgeordneten Franz Bresgen und dem Genossenschaftsgründer Hermann Schulze-Delitsch sehr stark gefördert. Dies alles geschah im Rahmen des Vereinsgesetzes von Norddeutschland, aber auch durch die Einschaltung eines Reisenden, der durch sehr kreative Marketingmaßnahmen und Gedanken die Marktpräsenz der Genossenschaft sehr erfolgreich entwickelte.

Der nächste Schritt war dann die Gründung eines Konsum-Vereins, der günstigere Beschaffung gleichartiger Wirtschaftsgüter für die Winzer förderte. Dies hatte zur Folge, daß gleichmäßige Vorgehensweisen praktiziert werden konnten. Die Qualitäten erhöhten sich, wurden gleichmäßig und steigerten den Absatz. Man war gut gerüstet für die angehende gute Zeit im Reich, denn Deutschland war seit 1871 Kaiserreich, in dem der Wohlstand durch den gewonnenen Krieges wuchs. Deutsche Weine waren gefragt und konnten, auch im Wettbewerb zu großen Namen aus Frankreich, weltweit abgesetzt werden. Zwischenzeitlich waren schon 80 Winzer zu Genossen geworden, denn sie merkten, daß der Erfolg durch die gemeinsame Vorgehensweise stieg. So war dann bereits 1873 der Bau eines großen Kellers nötig, denn es waren weitere 33 Winzer Genossen geworden. Bei allen Expansionsaktivitäten war jedoch die Qualität des angelieferten Leseguts von größter Wichtigkeit.

Damit keine Unregelmäßigkeiten oder Bevorzugungen möglich wurden, standen alle, mit Ämtern betrauten Persönlichkeiten, vom Präsidenten bis zur Prüfungs-Kommission jährlich zur Wahl. Nach wie vor wurde auf Expansion gesetzt und es gab um die Jahrhundertwende 8 Weine im Angebot. Durch die Festanstellung von Genossen als weitere Reisende in dieser Zeit konnten die Absatzgebiete in Mitteldeutschland gut ausgebaut werden. Der Sachverstand für gute Beratung und der Einsatz waren dadurch "Herzenssache". Als schwieriger Umstand erwies sich dann, daß, auch durch die Expansion, Weinmangel zum Thema wurde. Dies zwang die Geschäftsleitung mit den Genossenschaften ein Exclusiv-Lieferabkommen zu vereinbaren. Nach dem Motto: Wer Genosse ist und von den Vorteilen profitiert, liefert nur an die Genossenschaft. Zuwiderhandlung führte zum Ausschluß. Dies ist auch heute noch für die rund 200 abliefernde Genossen geltendes Recht.

Das gesellschaftliche Leben, speziell auch zur Karnevalszeit wurde auch geregelt. Es war natürlich in einer kleinen Region alles recht transparent. Dies wurde 1912 durch die Einführung des elektrischen Lichts optimiert. Besuche im Keller der berühmten Genossenschaft waren vor dem 1. Weltkrieg üblich und mußten mit 25 Pfennig bezahlt werden. So entstand der frühe Weintourismus, der lange Jahre an der Ahr, verbunden mit der schönen Landschaft, üblich war.

Am 12. Dezember 1912 entstand eine Tradition, die bis heute Bestandteil des Genossenschaftslebens ist: Kindches Kaffee!. Alle Vorstände und Aufsichtsräte kommen spätnachmittags zur einer kompletten Faßweinprobe zusammen. So wird heute noch verstärkter auf den früh gewachsenen Qualitätsgedanken der Genossenschaft hin gearbeitet. In internen Anforderungsprofilen werden Weintypen entwickelt, die natürlich nicht alle Genossen ganz gleichmäßig anliefern können, die aber die Motivation fördern, bei den besten Mitgliedern gleich zu ziehen. Dies alles wurde natürlich auch in ein Honorarsystem gebracht, das ein jeweiliges "Mehr" entsprechend belohnt. Diese Systematik ist nur in wenigen deutschen Genossenschaft konkret umgesetzt worden.

Nach den Riesenernten von 1992 mit 1,63 Mio Litern und 1993 mit 1,42 Mio Litern (fast doppelt soviel wie die übliche Erntemenge von etwa 900.000 Litern), erfand man diese Konzeption und war auch in der Lage, diese Gedanken an die Genossen so zu vermitteln, daß ab 1995 deutlich bessere Qualitäten auf den Markt kamen und die Reputation der Genossenschaft wuchs.

Doch zurück zur sehr interessanten Historie der Mayschosser. Der bereits erwähnte 1. Weltkrieg brachte, wegen Arbeitskräftemangel, die ersten Frauen in den Betrieb. Unabhängig davon wurde in Sachen "Diversifikation" von ohnehin vorhandenen Produkten eine konsequente Vermarktungspolitik betrieben. 1914 wurde jedem Mayschoßer Soldaten eine Flasche "Cognac" als Gabe zugeschickt. Diese Bezeichnung war dann nach dem verlorenen Krieg verboten. In den 20er Jahren wurden zur Optimierung der Lagermöglichkeiten in dem repräsentativen Gebäude des Ortes, das sich auch als sozialer Mittelpunkt für das Leben der Menschen in ihrem Berufsumfeld entwickelt hatte, in neuen Kellern moderne Zementfässer eingebaut, welche die Lagerkapazitäten als ersten Schritt spürbar erhöhten, um dann in weiteren Stufen bis zur heutigen Größenordnung ausgebaut zu werden. Begleitet wurden diese Maßnahmen von weiteren Qualitätssteigerungen, die so weit gingen, daß darauf zwei spezialisierte Vorstandsmitglieder dem Rebschutz sehr konsequente Überwachungsmechanismen angedeihen ließen und für eine systematische Anwendung dieser Disziplin sorgten. Auch finanzielle Dinge wurden dabei sorgfältig überwacht.

In der Zeit zwischen den beiden Kriegen entwickelte sich durch die zunehmende Motorisierung (Henry Ford hatte 1930 mit Konrad Adenauer zusammen ein Autowerk in Köln errichtet, 1927 wurde der Nürburgring gebaut) ein sanfter Tourismus. So ließ die Genossenschaft 1933 erste Prospekte in Holländischer Sprache drucken. Die Kuranlagen Bad Neuenahr zogen ebenso Kranke an wie die sie besuchenden Gäste an. Aus der "armen Leuteregion" war noch vor dem 2. Weltkrieg eine touristisch attraktivere Gegend geworden, die durch die Wirren des 2. Weltkriegs gestört wurde. Die Einflüsse durch den Staat, vor allem im preislichen Bereich, beeinflußten die Entwicklung in nationaler Richtung, aber auch die ab März 1945 einmarschierten Besatzungstruppen forderten Zwangsabgaben und brachten die Genossen erneut an die Existenzgrenze.

Erst Mitte der 50er Jahre, die Nachbarstadt Bonn beflügelte sicherlich auch die touristische Situation, gelang es, wieder in ruhigeres Fahrwasser zum kommen um dann mit 280 Genossenschaftswinzern auf 120 ha, vor der Flurbereinigung, 900.000 Liter zu produzieren. Es konnte wieder mit einer gesunden Entwicklung gerechnet werden und den Ausbau der Kapazitäten kalkulierbar machen. Der Geist der Fusionierungswellen der Neuzeit machte auch im Ahrtal nicht halt und die älteste Winzergenossenschaft wurde auch unaufhaltsam eine der Großen in Deutschland. Mit Geschick und Weitblick wurden wachstumsfördernde, jedoch auch für die Genossen Sicherheit bringende Schritte durchgeführt.

Das Angebot umfaßt zwischenzeitlich mehr oder weniger alle Lagen an der Ahr und bietet dadurch die Möglichkeit, aus einem hochwertigen Ablieferungsvolumen ein TOP-Programm auf den Markt zu bringen. Eine gut abgestimmte Anbaupolitik wurde marktgerecht entwickelt und bietet zwischenzeitlich auch zukunftsweisende Angebote. Die Teilnahme an Spitzenverkostungen und die positive Beurteilung durch unterschiedliche Gremien, von sog. Weinpäpsten bis zu den handverlesenen Juryteilnehmern der DLG Spitzenprämierungen, brachte sogar Weine der Genossenschaft in den Bereich der sensibel ausgedünnten Gruppe der letzten 50 Weine, die auf eine Superleistung im Weinberg und im Keller zurück zu führen ist. Dreimal hintereinander wurde ein Wein der Genossenschaft der "Siegerwein" der Region Ahr bei der strengen Auswahl des Landwirtschaftwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz.

Höchste Anerkennung finden auch die Weine bei den strengen Bewertungen für die "Hitliste" der besten Betriebe mit der 7. Platzierung unter den 10 höchst benoteten. Interessant ist bei dieser Liste festzustellen, daß mehrere Genossenschaft dabei sind, vor allem die Genossenschaften, die erkannt haben, daß mit guten Rotweinen eine Erfolgs-Story geschrieben werden kann. In der jährlichen Darstellung der 100 besten deutschen Weingüter, die unser Freund Pit Falkenstein jährlich im Stern veröffentlicht, steht die Genossenschaft, als mit großem Abstand deutlich größter Betrieb. Dies beweist die Führungsvision, die Motivationsfähigkeit für rund 200 anliefernde Individualisten, die genossenschaftlichen Gedanken voll zu praktizieren und zu leben.

Geht das nur in einem kleinen Gebiet, wo sich jeder kennt und man zu einem Leistungswettbewerb anspornt ? Ein Toni Jost oder ein Erny Loosen können ihre Betrieb mehr oder weniger "uss de lamäng" steuern. In der Genossenschaft braucht es aber immer gute Argumente und gute Partner für die Umsetzung. Dies ist ganz offensichtlich in der ältesten Winzergenossenschaft Deutschlands mustergültig gelungen.

 

Einen herzlichen Glückwunsch!  HRS
 

Nr.
Jahr
Rebsorte
Produzent
Prädikat
Bezeichnung
Ausbau
Alk.
% Vol
Punkte
1
2005
Riesling
Qualitätswein
Klassiker mit + 85 Ö
trocken
12,0
14,4
2
2005
Weißburgunder
Qualitätswein
Neuanpflanzung
feinherb
12,5
14,3
3
2005
Spätburgunder
Qualitätswein
Blanc-de-Noir
trocken
12,0
13,8
4
2004
Dornfelder
QbA
Walporzheimer Klosterberg
trocken
12,5
13,9
5
2004
Spätburgunder
QbA
Mayschoß
trocken
13,5
13,8
6
2004
Cuvée 1868
Qualitätswein
Ahrtal-Terrasse
trocken
13,0
13,7
7
2004
Domina
Goldener Preis
QbA
"Klassiker"
trocken
13,5
13,8
8
2004
Frühburgunder
Goldener Preis
Qualitätswein
Ahrtal-Terrasse
trocken
13,5
14,3
9
2004
Spätburgunder
Goldener Preis
QbA
Saffenburg-Terrassen
trocken
14,5
15,8
10
2004
Spätburgunder
DLG Gold
Qualitätswein
Edition Ponsart Nr. 14
trocken
14,0
16,0
11
2004
Frühburgunder
Qualitätswein
Goldkapsel
trocken
14,5
16,8
12
2003
Spätburgunder
DLG Gold
Qualitätswein
Edition Ponsart Nr. 7 Goldkapsel
trocken
14,5
16,7

13

2003
Frühburgunder
DLG Gold Extra
Qualitätswein
Selektion
Goldkapsel
trocken
14,5
18,1

14

2003
Spätburgunder
DLG Gold Extra
Auslese
Edition XII
trocken
15,0
18,0