Messweine

Zu diesem interessanten Thema kann man eine Ausgangsnorm im katholischen Kirchenrecht ganz kurz und bündig halten: Zitat aus Can 924 §3: Vinum debet esse naturale de genimine vitis et non corruptum. (Der Wein muss naturrein und aus Weintrauben gewonnen sein und darf nicht verdorben sein.) Im Prinzip die mehr oder weniger gleiche Anforderung wie im jüdischen Glaubensbereich, bei der jedoch eine konkrete Überwachung bei der Herstellung durch einen geeigneten Oberrabbiner durchgeführt wird. Mehr gibt es eigentlich nicht zu beachten. Früher gab es deshalb – um in der Vielzahl der Weinpanschereien Sicherheit zu schaffen – in vielen Ländern eine Vorschrift, die Messwein von eigens vereidigten Messweinherstellern zu beschaffen, wenn der naturreine Herstellungsprozess nicht persönlich durch Augenschein oder Herstellung im eigenen Keller sichergestellt werden konnte. Diese Vorschrift existiert heute nicht mehr, obwohl sich einige Lieferanten von Messwein sich bis heute mit dem Titel “vereidigter Messweinlieferant” schmücken.

Als Messwein kann heute jeder Qualitätswein benutzt werden, der in Deutschland als Qualitätswein den gesetzlichen Normen entspricht! Um einen Zuckerzusatz auszuschließen und somit die Naturreinheit zu garantieren, sollte schon ein Qualitätswein mit Prädikat ausgewählt werden. Aber niemand – auch der Papst nicht – wird sich daran stören, wenn man einen einfachen Q.b.A. verwendet, der durchgegoren und weitgehend ohne Zuckerzusatz hergestellt ist. So eigenwillig ist man heute nicht mehr. Aus altem Gewohnheitsrecht ergibt sich, dass weiterhin Süßweine (teilweise aus Rosinen hergestellt, teilweise gestoppt oder aufgespritet) verwendet werden dürfen, die nicht den erwähnten Qualitätsmerkmalen entsprechen. Es wurden in der Vergangenheit etliche Süßweine verwendet, weil man diese im Anbruch relativ lange nutzen kann, ohne das beim Wein “Verfallserscheinungen” erkennbar werden. Da ist ein schwerer Süßwein einfach weniger empfindlich als ein leichter Weißwein. Das Problem tritt einerseits im Sommer (wegen höherer Temperaturen und wegen Insekten) auf, andererseits friert in ungeheizten Sakristeien im Winter bei Dauerfrost ein Wein mit 15% Alkohol und viel Restzucker nicht so leicht ein “Leichtgewicht”. Viele Pfarreien kaufen schon jahrzehntelang bei bewährten Messweinlieferanten, die aus Tradition auch spezielle Messweine produzieren um damit dem Kundenwunsch zu entsprechen.

Bei den im Alten Testament in der Bibel beschriebenen Opferritualen wird von den Juden Wein als Symbol für Wohlstand, das Sühnen von Schuld und als Zeichen der Anbetung Gottes sowie Tierblut als Lebenssymbol verschüttet und damit an Gott zurückgegeben. In der römisch-katholischen Kirche hat Wein und Brot als Sakrament des von Jesus gestifteten Abendmahles (grch. Eucharistie = Danksagung) eine mystische Bedeutung. Bei der Konsekration (liturgische Weihe) wird Brot und Wein in Christi Leib und Blut verwandelt (der Substanz; nicht dem Aussehen nach) und bildet den Höhepunkt der christlichen Messe. Beim Empfang des Abendmahles (Kommunion = Vereinigung) wurde in den Anfängen der christlichen Gemeinschaft in der Regel allen Anwesenden Brot und Wein gespendet. Ab dem Mittelalter ergab sich aber dann in der römisch-katholischen Kirche aus rein praktischen Gründen (zum Beispiel durch Weinmangel auf Grund schlechter Ernten), dass nur der Priester Wein zu sich nimmt und die Hostie (lat. Opfer) sozusagen als beiderlei Gestalt ­ also Blut und Leib Christi – gilt bzw. beides repräsentiert.

Dies kritisierten vehement alle Reformatoren (Hus, Luther und Calvin), die allen feiernden Gläubigen den Wein zugestanden. Das wurde mit dem klaren Auftrag Jesus während des Abendmahles mit seinen Jüngern begründet: “Nehmet hin und esset, das ist mein Leib, der für euch gegeben wird. Dies tut zu meinem Gedächtnis. Nehmet hin und trinket alle daraus, dieser Kelch ist das Neue Testament in Meinem Blut, das für Euch vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Solches tut, so oft ihrs trinket, zu meinem Gedächtnis”. Die Aussage “mein Blut” könnte auf Rotwein hindeuten, aber das ist natürlich nicht mehr festzustellen. Dass eindeutig Wein (und nicht vielleicht Traubensaft) gemeint war, ergibt sich nach Meinung der Evangelischen Kirche klar daraus, dass Jesus von “diesem Gewächs des Weinstocks” spricht und es sich zweifelsfrei um Wein gehandelt hätte, weil zur Jahreszeit des ersten Abendmahles (Frühjahr) auf Grund damals mangelnder Konservierung kein unvergorener Traubensaft mehr vorhanden gewesen sein könne. Der schwedische König Erik XIV. (1533-1577) stellte im Jahre 1562 beim Reichstag die Frage, ob ein anderes Getränk statt Wein (z. B. Bier, Traubensaft, Milch, Wasser) beim Abendmahl verwendet werden dürfe. Der Grund war der Mangel an Wein durch den Krieg gegen Dänemark. Dies löste den so genannten “liquoristischen Streit” aus (lat. liquor = Flüssigkeit), bei dem es auch um die Frage ging, ob Wein zumindest mit Wasser vermischt werden dürfe.

Martin Luther (1483-1546) lehnte die Vermischung kategorisch ab und bestand auf Brot und unverfälschtem Wein. Die Austeilung in beiden Gestalten setzte sich dann so sehr durch, dass der Empfang auch des Kelches (Wein) als ein öffentliches Bekenntnis zur Reformation galt. Die evangelischen Abendmahls-Regeln wurden auch im so genannten Augsburger Bekenntnis im Jahre 1530 festgelegt. Auch die Frage, wie denn Alkoholkranke (oder auch Kinder) mit dieser Forderung umgehen, wurde bereits damals erörtert und wie folgt (auch noch für heute gültig) festgelegt: Das Abendmahl ist für das Heil nicht unbedingt erforderlich, Kranke müssten eben auf das Abendmahl verzichten und “diese von Gott auferlegte Bürde müsse getragen werden”. Die evangelische Kirche gestattet heute aber Ausnahme-Regelungen in begründeten Fällen (Alkoholkranke, Kinder). Das sind das Annehmen in nur einer Gestalt, indem der Weinkelch weitergereicht und damit darauf verzichtet wird oder Traubensaft statt Wein. Als derzeit gültige Regel in der römisch­katholischen Kirche wurde beim Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) beschlossen, bei Erlaubnis des zuständigen Bischofs wieder beiderlei Gestalten zuzulassen (wurde also nicht allgemein freigegeben). Übrigens müssen auch alkoholkranke Priester nach Beschluss im Jahre 1983 Wein beim Abendmahl zu sich nehmen, da dies als zentrale Symbolik angesehen wird (ab 1973 an war es ihnen bei Erlaubnis des Bischofs gestattet, nach einer Entziehungskur statt dessen Traubensaft zu trinken). In den in den USA und England weit verbreiteten Methodistenkirchen (Freikirchen) setzte sich im 19. Jahrhundert durch, das Abendmahl mit Traubensaft zu begehen.

Probenorganisator: Svetislav Madzarevic

 

Nr.
Jahrg.
Rebsorte
Produzent
Ausbau
Lage
Region
Alk.

% Vol

Punkte
1
2004
Gutedel Andreas Neymeyer

Staufen-Wettelbrunn

Kabinett

trocken

Maltesergarten Deutschland

Baden

11,5
12,6
2
2003
Riesling Mergler & Engel

Eigenmarke

Josef Drathen Zell

QbA

trocken

Törnicher Ritsch Deutschland

Mosel-Saar-R.

11,7
12,6
3
2004
Bronner Andreas Neymeyer

Staufen-Wettelbrunn

QbA

trocken

Ökologische Neuzucht Deutschland

Baden

13,0
12,6
4
2004
Grüner Veltiner Schloß Gobelsburg Messwein

trocken

Schloßberg Österreich

Kamptal

11,5
14,7
5
2003
Cuvée Kartäuserkloster Pleterje Messwein

trocken

Klosterhof Slowenien

Dolenjska

13,5
12,6
6
2004
Chardonnay Genossenschaft Barkan Dan Classic

trocken

Großlage Golan Israel

Galiläa

12,5
13,0
7
2003
Silvaner Staatlicher Hofkeller Würzburg Kabinett

trocken

Würzbuger Stein Deutschland

Franken

12,0
13,9
8
2004
Silvaner Fürst. Castell´sche Domän. Spätlese

trocken

Casteller Trautberg Deutschland

Franken

13,0
14,6
9
2002
Gewürztraminer Andreas Neymeyer

Staufen-Wettelbrunn

Auslese

trocken

Maltesergarten Deutschland

Baden

14,5
14,0
10
2003
Portugieser Weingut Stadt Klingenberg QbA

trocken

Klingenberger Schloßberg Deutschland

Franken

12,0
13,0
11
2003
Spätburgunder Andreas Neymeyer

Staufen-Wettelbrunn

Kabinett

trocken

Maltesergarten Deutschland

Baden

13,5
13,5
12
2003
Vranac Kloster Tvrdos trocken Klosterhof Bosnien-

Herzogew.

12,5
14,2

13

2003
Cabernet Sauv. Genossenschaft Barkan trocken Großlage Golan Israel

Galiläa

13,0
15,4

14

2001
Cab./Sau/Limnio Metochi Chromitsa trocken Heiliger Berg Athos Griechenland

Tsantalis

13,0
16,0

15

1996
Cuvée Syhra 15

Garnacha 85%

Celler de Capcanes

Capcanes / Falset

Crianza

trocken

Priorathänge Spanien

Montsant

14,0
16,5

16

?
Cuvée Filli Lombardo Fu Giuseppe & Marsala lieblich Ganz Sizilien Italien

Sizilien

16,0
15,3